Armut durch Plantagen
Die Abholzung von Tripa bedroht eine einzigartige Orang-Utan-Population, trägt zur globalen Klimaerwärmung bei und zerstört die Lebensgrundlage der lokalen Bevölkerung.
Die drei Torfsumpfregenwälder von Aceh umfassen insgesamt eine Fläche von 190'000 Hektaren im Norden von Sumatra. Hier findet man die weltweit grösste Dichte an Orang-Utans und etwa 30 Prozent der verbliebenen 6'600 Sumatra-Orang-Utans. Aber auch andere prominente Arten leben hier, zum Beispiel der Weisshandgibbon, der Sumatra-Tiger oder die grosse Weichschildkröte. Einige bedrohte Vogelarten sind sogar endemisch, kommen also nur auf Sumatra vor. Zudem sind diese Sumpfwälder wichtige biologische Korridore, welche den Ozean mit dem Leuser Ökosystem und dem Gunung Leuser Nationalpark selbst – einem UNESCO Weltnaturerbe – verbinden.
Die Küstensumpfwälder sind aber auch eine wichtige Lebensgrundlage für die dort lebenden Menschen. Sie bieten einen wirksamen Schutz gegen Naturkatastrophen wie Tsunamis, liefern sauberes Trinkwasser und sichern mit ihrem reichen Vorkommen an Fischen und Früchten die Nahrungsgrundlage. Nicht zuletzt speichern diese Wälder im Torf riesige Mengen an Kohlestoff und vermindern damit die globale Klimaerwärmung.
Die Folgen der Zerstörung von Tripa sind dramatisch: Die Biodiversität wird vernichtet, die Region wird durch Tsunami-ähnliche Ereignisse bedroht, die Menschen verlieren die Grundlage, um sich selbst zu ernähren und riesige Mengen an Kohlestoff werden in Form von CO2 in die Atmosphäre entlassen, wo sie zur globalen Klimaerwärmung beitragen.
Eine Untersuchung von PanEco und dem World Agroforestry Centre ICRAF kommt zum Schluss, dass durch die Zerstörung von Tripa in den nächsten 30 Jahren geschätzte 30 Millionen Tonnen Kohlestoff freigesetzt werden, wenn die Abholzung im gleichen Ausmass weitergeht.
Die Rodungen im Rahmen der Plantagen-Konzessionen werden normalerweise nicht von Einheimischen durchgeführt, sondern von auswärtigen Arbeitern, die meist für weniger als 100 US$ Monatslohn schuften. Dadurch sitzen Einheimische und Arbeiter in der Armutsfalle: Die Neuankömmlinge können durch den geringen Verdienst und die unqualifizierte Arbeit der Armut nicht entkommen. Und die Einheimischen verlieren ihre Lebensgrundlage, weil ihr Land von den Konzessionären beansprucht wird. Letzteres verhindert ausserdem Investitionen und die Möglichkeit, alternative Einkommensquellen zu schaffen.
Der Schutz der Torsumpfregenwälder an der Küste von Aceh entspricht mehr als zehn Indonesischen Gesetzen und Richtlinien. Namentlich erliess die Provinzregierung von Aceh 1999 ein Dekret über die «Richtlinien zur Waldfunktion in der Provinz Aceh». Das Dekret besagt, dass alle Aktivitäten innerhalb des Leuser Ökosystems nachhaltig sein müssen. In der Verordnung Nr. 26/2008 der Nationalregierung werden zudem das Leuser Ökosystem und das Wasser-Einzugsgebiet von Tripa-Batee als Gebiete von nationaler Bedeutung ausgewiesen. Schliesslich wird der Schutz des Leuser-Ökosystems im Gesetz Nr. 11/2006 über die Regierungsführung in der Provinz Aceh ausdrücklich verlangt.