Einer der wertvollsten Lebensräume weltweit ist in Gefahr: Der
Torfsumpfregenwald von Tripa wird für Palmölplantagen abgeholzt. PanEco hat ein
umfassendes Programm gestartet, um die Zerstörung zu stoppen.
Die drei Küstensumpfwälder von Aceh, Tripa, Kluet und Singkil, gehören
zu den wertvollsten Lebensräumen weltweit und sind eine wichtige
Lebensgrundlage für die lokale Bevölkerung. Trotzdem, und obwohl sie laut
Gesetz geschützt werden müssten, bedrohen Palmölplantagen dieses einzigartige
Ökosystem. Insbesondere Tripa ist akut gefährdet. 70 % der Torfsumpfwälder
wurden in den vergangenen 20 Jahren vernichtet – zugunsten von Palmölplantagen.
Mehr als 20 grosse Feuer vernichten aktuell Tag für Tag die letzten natürlichen
Rückzugsgebiete des Sumatra Orang-Utans. Tripa ist ein sehr wichtiger Teil des
Leuser Nationalparks, eine der bedeutendsten Schutzgebiete dieser Erde. Dies
ist die Heimat des Sumatra Orang-Utans, der Elephanten, der Tiger und vielen
anderen sehr seltenen Tieren und Pflanzen. „Es sollte dort keine Genehmigungen
und Zerstörung geben, denn sie sind klar illegal und widersprechen
indonesischen Gesetzen,“ sagt Ian Singleton, Leiter des SOCP und Mitarbeiter
der Stiftung PanEco. Aktuelle Informationen zum Kampf
um Tripa unter SOCP.
PanEco will die lokale Umweltpolitik stärken
und alternative Einkommensquellen für die Bevölkerung schaffen. Das Programm
wird von der Distriktregierung, der Aceh Conservation Agency, vollumfänglich
unterstützt und wird auf einer breiten Basis mit Vertretern von NGOs,
Universitäten, privaten Unternehmen und Finanzinstituten umgesetzt.
PanEco hat in den vergangenen Jahren auf
lokaler und internationaler Ebene eine breite Unterstützung für Tripa
aufgebaut. So konnte bereits der wichtigste Übeltäter, die Britische Firma
Jardines, öffentlich an den Pranger gestellt werden, was die Firma zwang, die
Rodungen einzustellen.
Das Palmöl rückt immer mehr ins Zentrum der
Kritik. Palmöl selbst schädigt die Umwelt nicht, wenn es auf nachhaltige Weise
produziert wird. Abholzungen von Wäldern und die Trockenlegung von Sumpfwäldern
für Plantagen, das sind die negativen Auswirkungen des Palmölsektors. PanEco und ihre Partnerstiftung YEL kämpfen für die Erhaltung dieser
wertvollen Sumpfwälder, die beim Abholzen und bei den Brandrodungen massiv
Kohlendioxyd freisetzen.
Erste Pilotstudie für nachhaltiges Palmöl
Die von PanEco in Auftrag gegebene Pilotstudie will die Machbarkeit
erfolgreicher Palmölkultur auf Brachland ohne negative ökologische und soziale
Auswirkungen aufzeigen. Von Mitte 2010 bis Mitte 2011 gelang die Anlage von
Palmölplantagen an zwei Standorten in Partnerschaft mit zwei
Kleinbauerngruppen. Diese erste Pilotstudie ihrer Art wurde durch das
«Biodiversity and Agricultural Commodities Programme» (BACP), das der
«International Finance Corporation» (IFC) untersteht, finanziert.
Projektpartner Socfindo, eine bekannte Palmölfirma, bot den Kleinbauern
Palmölsetzlinge bester Qualität und eine begleitende Schulung an.
Besseres Palmöl
Die Pilotstudie befolgt die Standards und Kriterien des «Runden Tisches für
Nachhaltiges Palmöl» (RSPO), wo PanEco Mitglied ist, um auf diese Weise die
kritischen Umweltaspekte und sozialen Missstände der konventionellen
Palmölwirtschaft zu beheben. Ebenso erfüllt die Pilotstudie die Richtlinien der
Biosuisse, der Qualitätsmarke des Schweizer Bioanbaus.
Die erste Ernte
Bereits wachsen Tausende von Ölpalmen auf einer Fläche von circa 90 Hektar im
Dorf Lamie und im Weiler Gagak, beide im Nagan Raya District in Aceh. Ein
Evaluationsteam des BACP besuchte Ende letzten Jahres beide Plantagen und
zeigte sich erfreut über den von den Bauern erreichten Fortschritt. Zusätzlich
erhält die Pilotstudie Unterstützung von der niederländischen Hilfsorganisation
Cordaid und von der französischen Kosmetikfirma Yves Rocher. Das Projekt ist
zudem eine Partnerschaft eingegangen mit der lokalen Regierung als auch mit dem
Internationalen Zentrum für Agroforstwirtschaft (ICRAF).
Forschung
PanEco unterstützt die Orang-Utan-Forschung, denn sie fördert das Wissen über
die roten Menschenaffen. Seit Jahren werden an den Forschungsstationen Ketambe,
Suak Balimbing und Batang Toru wissenschaftliche Daten über die Orang-Utans
gesammelt. Sie vertreten die drei unterschiedlichen Lebensräume Tiefland-,
Sumpfwald- und Bergwald. Die Forscher arbeiten unter dem Dach des SOCP.
Das Team des SOCP braucht verlässliche Daten über die Menschenaffen vor und
nach der Freilassung, die ermöglichen, das Verhalten der mit Menschen in
Kontakt gekommenen Orang-Utans mit demjenigen von wilden Orang-Utans in
derselben Region zu vergleichen und die Wiederansiedlung entsprechend zu verbessern.
Neues Forschungsprogramm in Jantho
2011 haben PanEco-Wissenschafter zusammen mit der Universität Zürich, der
National University (UNAS) in Jakarta und der Bogor Agricultural University
(IPB) ein neues Forschungsprogramm in Jantho begonnen, um die Wiederansiedlung
der Affen dort wissenschaftlich zu begleiten. Die freigesetzten Menschenaffen
werden von der morgens bis abends verfolgt, ihr Verhalten wird notiert und ihre
Positionen in regelmässigen Abständen mit Hilfe von GPS registriert. Die Arbeit
mit den 13 Orang-Utans entwickelt sich gut.
Einzigartige Orang-Utan-Population
Die Studie der einzigartigen Population im Bergregenwald von Batang Toru macht
gute Fortschritte. «Die Bevölkerungsdichte der Orang-Utans ist tief und es
braucht viel Zeit, die scheuen Menschenaffen überhaupt aufzufinden und an die
Beobachtungen durch Menschen zu gewöhnen», erklärt SOCP-Forschungsleiter Serge
Wich. Es gelingen nun regelmässig gute Beobachtungen am Verhalten. Vor allem
sind die Daten über die Nahrungsaufnahme dieser Berg-Orang-Utans höchst
interessant. «Hier werden eine Reihe von Früchten gefressen, die an anderen
Standorten auf dem Speisezettel fehlen, was einen Einblick gewährt in die
Flexibilität der Ernährung des Orang-Utans. Ein besseres Verständnis dieser
Flexibilität kann erklären, weshalb Orang-Utans in gewissen Wäldern vorkommen,
aber in anderen fehlen», so Serge Wich.
Ausblick
Zusätzlich zur Forschungsarbeit packt das Team des SOCP 2012 eine interessante
Herausforderung an: eine wissenschaftliche Erhebung über das Vorkommen der
Orang-Utans im Leuser-Ökosystem. Dieses Projekt ist das erste seiner Art in
Sumatra. Die neuen Daten sollen eine Grundlage für eine verlässliche Aussage
über die Verbreitung der Orang-Utans bieten und über die Faktoren Aufschluss
geben, die das Vorkommen massgeblich bestimmen.
News
Publikation: Palmöl-Pilotstudie
Die Pilotstudie informiert über die Auswirkung der Palmölproduktion auf abgebauten
Landflächen. Die Publikation wurde von PanEco mit Unterstützung des RSPO entwickelt.
Der neue Report zeigt, dass die Indonesische Bevölkerung zunehmend
profitieren könnte, wenn der Lebensraum der Orang-Utans mehr geschützt
wird. Mehr Informationen zum neuen Report (Englisch):
Die Spiegel Journalistin Simone Utler war in Indonesien
unterwegs. Sie macht in ihrem Bericht auf die Folgen der Palmölindustrie und
dem daraus folgenden Problem zwischen Mensch und Tier aufmerksam.