Winterzeit ist Hungerzeit

Ein richtiger Pechvogel

Dieser Schwarzmilan ist am 15. Mai 2009 beim Versuch, etwas vermeintlich Essbares aus einem Klärbecken einer Kläranlage der Stadt Zürich zu fischen, ins Wasser gefallen und konnte sich nicht mehr aus eigener Kraft befreien. Weil er sich ausgerechnet ein Becken ausgesucht hatte, in dem Speisefette und -Öle abgeschieden werden, war sein Gefieder komplett verklebt. Der Zwischenfall wurde uns vom Personal der Kläranlage gemeldet und der Pechvogel  vom Tierrettungsdienst zu uns gebracht.

Nach mehrmaligem Baden in einem fettlösenden Mittel haben wir sein Gefieder mit einem Föhn getrocknet. Die gesamte Prozedur dauerte drei Stunden und das Resultat hat selbst uns erstaunt. Danach wurde er über Nacht in einer Pflegebox untergebracht, um sich von den erlittenen Strapazen zu erholen und etwas fressen zu können. Am folgenden Tag haben wir den nun wieder ansehnlichen Vogel gemessen, gewogen und beringt.  Für den Fall, dass er bereits verpaart gewesen wäre, liessen wir ihn an seinem Herkunftsort wieder fliegen. Aufgrund der Gefiederfärbung, der Flügelmasse und des Gewichts haben wir den Milan als zweijähriges Männchen taxiert. Bei einer maximalen Lebenserwartung von 25 Jahren hat er somit hoffentlich noch ein schönes langes Leben vor sich. Sollte er irgendwann wieder einmal aufgefunden werden, können wir anhand der Ringfundmeldung wertvolle Schlüsse über sein Zugverhalten ziehen.

Schwarzmilane erbeuten oft tote Fische oder andere essbare Dinge von Wasseroberflächen von Seen oder Flüssen. Da es bei der besagten Kläranlage schon mehrmals zu ähnlichen Zwischenfällen mit Schwarzmilanen gekommen ist, werden wir bei einer Begehung vor Ort mit den Verantwortlichen eine Lösung zur Verhinderung weiterer Unglücke suchen.

Neues Informationszentrum in den Thurauen  

Im Rahmen des Grossprojektes „Hochwasserschutz und Auenlandschaft Thurmündung" hat der Kanton Zürich den Aufbau eines neuen Informationszentrums vorgesehen. Zusammen mit der Gemeinde Flaach hat er die Stiftung PanEco aus Berg am Irchel als Betreiberin ausgewählt.

Entlang von Landstrassen und Autobahnen sehen wir nun wieder hungrige Mäusebussarde und Turmfalken sitzen. Sie gehören mit den Eulen - die sich ebenfalls fast ausschliesslich von Kleinsäugern ernähren - zu den Verlierern bei der aktuellen Wetterlage. Die Temperaturen im Januar 2010 waren durchschnittlich sogar noch tiefer, als jene des letzten Januars im vergangenen Jahrhundertwinter. Gefrorene Böden und eine geschlossene Schneedecke lassen Maulwürfe, Wühl- und andere Mäuse im Erdreich verharren. Sie haben Vorräte angelegt und überdauern die kalten Tage in frostfreien Gang- und Höhlensystemen. Deshalb versuchen die Bussarde und Turmfalken in ihrer Not, überfahrene Tiere zu finden, oder von Abfällen entlang der Strassen angelockte Mäuse zu erbeuten. Oft werden sie dabei während riskanten Flugmanövern von Autos erfasst und getötet oder verletzt. Andere Greifvögel wie z.B. der Rotmilan, der sich nun von Aas und Abfällen ernährt, oder Habicht, Sperber und Wanderfalke, die Vögel erbeuten, leiden ungleich weniger in der kalten Jahreszeit.

Warum fordert der Winter solche Opfer? Jeder Winter hat eine regulierende Funktion. Nur die kräftigsten und geschicktesten Tiere überleben und geben somit ihre Fähigkeiten an ihre Nachkommen weiter. Dies bedeutet auch, dass es im Frühjahr genügend Reviere gibt und dass eine ausreichende Nahrungsgrundlage zur Aufzucht der Jungen besteht. Die Verbreitung von Seuchen innerhalb einer zu dichten Population sowie die Übernutzung der Bestände der Beutetiere wird dadurch verhindert. Gerade die meist betroffenen Arten wie Mäusebussard und Turmfalke sind unsere häufigsten Greifvögel und in ihren Beständen nicht gefährdet.

Wie können wir helfen?
Nicht immer ist das Naheliegendste auch das Beste. So verhält es sich auch mit der Winterfütterung durch Menschen. Unsachgemässe Fütterung gefährdet unsere Greife und fordert oft noch zusätzliche Opfer. Falsches oder gefrorenes Futter wird zwar in der Not angenommen, kann aber nicht verdaut werden und führt bei einem bereits geschwächten Vogel zum sicheren Tod. Um richtig zu füttern, müssen etliche Kriterien erfüllt sein, die Laien oft nicht kennen. Deshalb ist es sinnvoll, die Hilfe für geschwächte Greife und Eulen den Fachleuten zu überlassen.

Wenn Sie einen Greifvogel geschwächt am Boden sitzend finden, ist folgendes Verhalten angebracht:

  • Den Vogel vorsichtig von Oben herab mit einem Tuch oder einer Jacke fassen. Immer auf die Füsse mit den scharfen Krallen aufpassen. Selbst entkräftete Tiere können uns mit ihren Krallen noch empfindlich verletzen.
  • Den Patienten in eine Kartonschachtel mit Luftlöchern und Struktur am Boden (Zweige, Stroh etc.) setzen, oder locker in ein Tuch einwickeln und möglichst schnell zu einem Spezialisten bringen.
  • Keinesfalls Futter anbieten oder Flüssigkeit eingeben.

Durch unser Konsumverhalten können wir das ganze Jahr über etwas für unsere gefiederten Hochleistungsjäger tun. Mit dem Kauf von nachhaltig produzierten Nahrungsmitteln unterstützen wir ein vielfältig strukturiertes Kulturland. Von diesen wertvollen Kleinstrukturen wie z.B. Buntbrachen profitieren sämtliche Tiere, von den Insekten über Kleinsäuger bis hin zu unseren Greifvögeln und Eulen.

Im Auftrag des Kantons wird PanEco über die Revitalisierung der Thur informieren und die geschützte Natur der Thurauen für Besucherinnen und Besucher erlebbar machen. Das Zentrum wird in der Steubisallmend beim TCS Camping Flaach erstellt. Neben dem Informationszentrum wird PanEco auch für den Aufbau einer modernen, nachhaltig ausgerichteten Gastronomie verantwortlich sein. In Zusammenarbeit mit dem TCS Camping und der Badi Flaach wird somit ein in der Schweiz einzigartiges Zentrum entstehen, wo Freizeitaktivitäten und Naturschutz sich ergänzen.   

Kanton und Gemeinde haben sich für PanEco als Betreiberin entschieden, weil wir eine langjährige Erfahrung in der Umweltbildung aufweisen können und lokal stark verankert sind. Der Aufbau des neuen Zentrums wird unserem Engagement in der Schweiz noch mehr Gewicht verleihen. Wir freuen uns, diese Herausforderung anzunehmen!

 

 


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